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Erschienen in: Mallorca Magazin Nummer 46 (13. bis 19. November 2008)
Auch Mallorcas Immobilienbranche kann sich der Krise nicht entziehen
Dass der Wert von Mallorca-Immobilien nur eine Richtung kennt, und zwar nach oben, gehört zu den liebgewonnenen Überzeugungen, von denen es sich angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise zu verabschieden gilt. Denn auch der Immobilienmarkt ist nun voll vom Abwärtssog erfasst worden. Es gibt eine ganze Reihe von Hinweisen, die das belegen.
Dazu gehört der neueste monatliche Marktbericht von Tinsa, der grössten spanischen Schätzungsgesellschaft im Immobiliensektor. Darin heisst es, dass der Wert von Mallorca-Immobilien im Oktober um 5,4 Prozent unter dem Wert des gleichen Vorjahresmonats lag. Zum fünften Mal in Folge verzeichnet Tisa einen solchen Wertverlust bei Mallorca-Immobilien. Diese Tendenz belegt auch eine soeben erschienene Studie der Universität von Navarra, die einen Wertverlust von 3,3 Prozent im Jahresvergleich feststellt.
Dass der Immobilienmarkt auf mallorca darniederliegt, bestätigt José Oliver Roca, Vorsitzender der balearischen Maklervereinigung API. „Die Leute sind viel vorsichtiger beim Kaufen und viele, die schon gekauft haben, können ihre Hypotheken nicht bezahlen“, sagt Roca. Die Immobilienverkäufe seien auf Mallorca um 50 Prozent regelrecht eingebrochen. Eine Vielzahl von kleinen Maklerbüros habe bereits geschlossen oder werde diesen Schritt noch tun müssen. Ausserdem erwartet er für die kommenden Monate sinkende Immobilienpreise, wobei Neubauten und Luxusobjekte preislich wohl eher stabil bleiben. Frühestens im zweiten Semester 2009 rechnet Roca mit einer Entspannung der Lage.
Dass die Krise nun auch sie erwischt hat, räumen mittlerweile die meisten Immobilienunternehmer auf der Insel ein – wenn auch fast ausschliesslich hinter vorgehaltener Hand. Jetzt eine Immobilie an den Käufer zu bringen scheint ein beinahe aussichtsloses Unterfangen zu sein. Dafür spricht auch das Baununternehmen der Balearen-Regierung im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung 574 Wohnungen für deren Sozialwohnungsprogramm angeboten haben – fast viermal so viele wie benötigt. Ohnehin ist der Bausektor schwer gezeichnet, da die Pleite eines der wichtigsten mallorquinischen Bauunternehmer (Vicenç Grande) viele andere Firmen mit ins Verderben gerissen hat.
Auch der Mietmarkt bleibt nicht von der Krise verschont, wie Steffen Döhne von der Mallorca Mietbörse bestätigt. In bestimmten Gegenden und Preisklassen gebe es seit Monaten Leerstände. Bestimmte Wohnungen seien zu den bisherigen Preisen nicht mehr zu vermieten. Keine Probleme, einen Mieter zu finden, gebe es dagegen in beliebten Lagen wie etwa Portitxol, in In-Vierteln oder besonders guten Lagen. „Grundsätzlich merkt man, dass die Immobilienbesitzer Angst vor Mietausfall haben“, sagt Döhne. Darum werde nun mehr Wert auf zusätzliche Sicherheiten wie etwa Bankbürgschaften oder höhere Kautionen gelegt. Gute referenzen seien vielen Vermietern nun besonders wichtig, der Mietpreis dagegen sei immer häufiger verhandelbar.